Schwedenhappen

Ich will im Fernsehen keine schwedischen Krimis mehr sehen. Oder wenigstens nicht zu neunzig Prozent schwedische Krimis. Und auch keine deutschen, die auf der Fähre nach Schweden spielen. Es nützt auch nichts, daß der neue Wallander fünf Sterne in meiner Fernsehzeitschrift gekriegt hat. Er sieht nämlich aus wie ein Bruder von den zwei anderen Wallanders, braucht für einen Satz, den er dann nicht beendet, zehn Minuten, ist angezogen wie aus der Spendensammlung und riecht bestimmt aus dem Mund. Daß in Schweden alles sehr im argen liegt und dabei auch noch das Wetter furchtbar ist, wissen wir seit Sjöwall-Wahlöö, und das ist sehr lange her. Wenn es schon schwedische Krimis sein müssen, warum kann dann Schweden nicht wie bei Astrid Lindgren aussehen?

In Zeiten der Krise brauche ich nicht Weltkrise, Wertekrise, Bildungs- Erziehungs- und sonstige Krisen im Fernsehkrimi, ich möchte reiche Leute, Investmentbanker zum Beispiel, mit schönen Frauen in schicken Häusern sehen, die sich gegenseitig aus dem Weg räumen. Sowas täte nicht nur mir gut, da bin ich sicher. Warum ich aber stattdessen im Fernsehen dauernd davon überzeugt werden soll, daß es keinen Sinn hat, nach Schweden zu ziehen, weil sich dort die Leute vor Griesgrämigkeit auf die Mundwinkel treten, weiß ich nicht. Es gibt dort auch keine interessanten Fälle, sondern die Fälle sind sozusagen das Gesamtelend, mit Katastrophenkindern, verkommenen Erwachsenen, also Normalität. Im Krimi soll aber der Fall eben nicht das Normale sein, sondern eine Abweichung, ein Seelenunfall, eine gut verborgene schwarze Stelle im Leben. Oder eine unheilvolle Verknüpfung von Schicksalen.  Sonst kann ich mir ja gleich Zwegat oder Tine Wittler anschauen. Bei denen ist im Grunde mehr Katharsis zu finden als bei Wallander. Total verkehrte Welt.

Früher hat man als fortschrittlicher Mensch darauf bestanden, das Fernsehen müßte das Elend der Welt eins zu eins abbilden, alles andere hieß Eskapismus und war ganz schlecht. Ich möchte aber gern ein bißchen flüchten können und mir nicht nur nach dem Anschauen schwedischer Krimis sagen, es sei ja hierzulande doch ganz gut auszuhalten.

Kann man nicht mal eine Krimireihe in Adelskreisen stattfinden lassen? So mit Adoptionen, Zweitehen, Waldfrevel, Jagdunfällen, das ganze auf Schlössern und in feinen Hotels angesiedelt? Produzenten können sich gern bei mir melden.