Gartenmord 2

Bürgerbeglückung seitens der Behörden bekommt in Frankfurt schnell etwas Erbittertes. Zu beobachten ist das jetzt im Fall Neubau des Museums der Weltkulturen. Viele haben erst durch den öffentlich ausgetragenen Krach mitgekriegt, daß wir sowas haben, ein Museum der Weltkulturen. Der Entwurf wird hysterisch gepriesen, und die Gegner in häßliche Ecken gestellt. Also: Da ist der Park, ein netter Park, den sich die Weltkulturen, die lebendigen, sozusagen erobert haben. Das war nicht geplant, es hat sich so ergeben. Vorzugsweise junge Leute feiern da, spielen Fußball, küssen sich, räumen ihren Müll manchmal nicht weg, wie es halt so ist. Ganz verschiedene Kulturen machen da Party und Lärm, spielen mit ihren Kindern oder lesen, und das alles im freundlichen Schatten von Bäumen. Der Neubau für das Museum würde dem Park zuleibe rücken. Bäume sollen gefällt werden, das Grundwasser abgesenkt, was für die übriggelassenen Bäume nichts Gutes heißt. Frankfurt liebt das Ungeplante nicht. Frankfurt ist auch nicht neugierig auf das vielerlei Trotzdem, das im Schatten von Hochhausclustern, Verkehrs­beruhigung, Stadt­planung, Event­management und Prestige­projekten gedeiht. Die Frankfurter sind wie Gänseblümchen, still und stur, und sie finden immer wieder irgendein Plätzchen, wo sie Wurzeln schlagen können. So eins ist dieser Park. Und anstatt sich gegenseitig fertigzumachen und so zu tun, als würde ohne den bedingungslosen Neubau Frankfurt mit einem Schlag zu Wiesbaden, sollte man den Park freundlich respektieren.

Ich weiß nicht, ob von den Frankfurter Planern jemand weiß, was in anderen Städten mit Frankfurter Modell gemeint ist: Alles weghauen, was nicht in den Plan paßt und ein bißchen Fassade übriglassen. Orte zurichten, bis sie passen. Das sei, sagte mir jemand, wie wenn man eine schöne Frau totschlage und nur die Schminke übriglasse. Dafür gibt es viele Beispiele in der Stadt. Und wenn die Verantwortlichen längst der grüne Rasen deckt oder das große Vergessen befallen hat: Die Ergebnisse stehen immer noch da. Museen haben es in Frankfurt immer gut gehabt, ihnen wurde und wird mehr getraut als der unzuverlässigen Bürgerschaft. Museen sollen trösten, über das Zugerichtete und Hingerichtete. Ein Vorgartenmuseum wäre in dieser Stadt leichter hinzukriegen als Vorgärten. Ich erinnere mich noch gut an den Börneplatz. Das Museum wurde dann furchtbar teuer. Hätte man aus dem Platz mit seinen herzzerreißenden Resten einen Garten des Gedenkens gemacht, wärs billiger geworden. Aber der Stadtwerkebau war ja nicht zu diskutieren. Da steht er nun. Die Namen seiner Verfechter sind längst vergessen.

Daher, vom Zurichten, kommt auch diese spezifische Erbitterung. Man gibt so viel Geld aus, für die Bürger, und dann diese Undankbarkeit! Stuttgart 21! Wutbürger! Alles fortschrittsfeindliche Spießer!

Merkwürdig und ziemlich unlogisch scheint mir, die für den Sachsenhäuser Park kämpfenden Anrainer der Eigensucht zu zeihen: Reiche Leute, die für ihre Ungestörtheit kämpfen! Sogar die CDU flötet klassenkämpferische Melodien. Daraus wird aber eigentlich kein Schuh, denn reiche, selbstsüchtige Anwohner müßten doch eher für das Verschwinden des Parks plädieren, mitsamt seiner lauten, rücksichtslosen, dreckverursachenden und nächtlich ruhestörenden Besucherschaft.

Manchmal denke ich, es gibt zwischen Vergangenheit und Zukunft keinen vernünftigen Platz für die Gegenwart, dieses Gänseblümchen.